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5.1.26 Ombudsfrau

Dem Leiter des Düsseldorfer Allianzbüros berichtete ich von meinem Ärger mit einer Versicherung. Der riet mir, ich möge mich doch an den Ombudsmann in Hamburg wenden. Ombudsmann? Ich kannte wohl den Begriff, aber dass es den Mann als Institution auch noch mit Fleisch und Blut gibt, wusste ich nicht.

Dann googelte ich und lernte, dass Ombudsleute z.B. bei Streitigkeiten zwischen Banken und Versicherungen vermitteln. Ich staunte: Teilweise können sie für Anbieter verbindliche Entscheidungen treffen. Das Verfahren ist kostenlos. Und nicht nur eine Ressourcen sparende Alternative zu einem Gerichtsprozess. Es geht auch weitaus zügiger.

So erfuhr ich von der Berliner Ombudsfrau. Die ist für Versicherungen zuständig. Also die richtige Ansprechpartnerin für mich. Endlich einmal nicht lange herumsuchen, sondern gleich bei der richtigen Stelle landen! Nach wenigen Tagen erhielt ich konkrete Fragen zu meinem Schaden, dann die Entscheidung.

In der Anlage ein Schreiben der Versicherung. Die machte ein kleines Zugeständnis, sie wolle ein paar hundert Euro zahlen. Ich fühlte mich auf den Arm genommen angesichts einer Rechnung von mehr als 45.000,-Euro Da es sich in meinem Fall um eine Versicherung im Raum der Kirchen handelt, fiel mir zunächst das Bibelwort von den Hündlein ein, die die Brosamen von ihrer Herren Tische essen. Darauf hatte ich allerdings keinen Appetit. Auch nicht auf solche Tischgenossen.

Doch die Versicherung stritt ansonsten alles ab und erhob neue Einwände. Reagierte also reflexartig so, wie sich zahlungsunwillige Versicherungen zu verhalten pflegen.

Die Ombudsfrau nannte mir eine Frist von drei Wochen. Würde ich nichts von mir hören lassen, sei der Fall abgeschlossen. Zunächst dankte ich und sprach ihr meine Anerkennung für ihre Arbeit aus. Für mich alles andere als eine Höflichkeitsfloskel. Ohne sie hätte ich nämlich weiter in die Röhre geguckt. Und vor allem nicht gewusst, was ich hätte tun sollen. Jahrelang vor Gerichten mit Anwälten herumschlagen? Eine Horrorvorstellung, weil sie Dauerstress mit anhaltendem hohen Blutdruck produziert.

So schrieb ich erneut an die Ombudsfrau. Dabei ging ich Punkt für Punkt auf die abwegigen Einwände der Versicherung ein. Ob die Ombudsfrau und ich jetzt mehr erreichen?

© Martin Krolzig