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2.5.26 Kirchen
Unter der Überschrift »Klettern im Kirchenschiff« erschien auf der Titelseite in der Wochenendausgabe der “Süddeutschen” ein Vierspalter. Weil die Gläubigen fehlen, so erfährt der Leser, werden in Deutschland in einem überschaubaren Zeitraum etwa 15.000 Gotteshäuser leer stehen. Einerseits sinke die Zahl der Gemeindeglieder, andererseits steigen die Instandhaltungskosten. “Ganz zu schweigen von den Heizungskosten” liest man in dem Zusammenhang.
In der Lage veröffentlichten der evangelische Oberlandeskirchenrat Adalbert Schmidt und der Justiziar des katholischen Erzbistums Hamburg Karl Schmiemann gemeinsam ein Positionspapier. Wohl angeregt von der Erkenntnis, das Probleme immer auch neue Möglichkeiten bieten.
Die Herausforderungen griff auch eine Tagung in München unter der Trias “Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor” auf. Im Umbau der Kirchen stecke eben auch eine gewaltige Chance. Umnutzung für alte Kirchengebäude lautet das neue Stichword. “Warum also nicht die aufgelassenen Kirchen zu den neuen Zentren öffentlichen Lebens machen?” liest man in der Münchner Zeitung. Eine Gruppe Berliner Architektur-Studenten schwadronierte sogar von einer “Kirche für alle”. Weil das dann doch zu stark an die Aldi-Werbung “Gutes für Alle” erinnert, verlief der Vorschlag im Sande.
Im besten Fall ist das alles höchstens ein Viertel der Wahrheit. Denn was wird aus der Masse der Kirchengebäude, die sich nicht umnutzen lassen? Wenn ich zu dem Discounter auf der Kölner Straße In Krefeld Fischeln fahre, recken sich vier Betonsäulen nach oben und bilden so einen Glockenturm. Darunter ein schlichtes Kirchlein. Alles erfüllte seinen Zweck, als die Gemeinde noch stark war. Doch in Zeiten abnehmenden Glaubens bleiben die Besucher aus. Verkaufen läßt sich da nichts mehr. Bleibt nur der Abriss und das Verhökern des Grundstücks. Das wird das Schicksal der meisten Einfach-Kirchen sein, die in Zeiten der Baby-Boomer entstanden sind.
Oder nehmen wir die Kirche in Düsseldorf-Unterrath “Am Röttchen”. Hier wurde ich ordiniert. Vor ihr steht ein Beton-Glockenturm. Betritt man die Kirche und schaut nach oben, sieht man ein Geflecht aus Metallröhren. Die unten saßen, arbeiteten in den ein paar hundert Metern entfernten Mannesmann-Röhrenwerken. Das ist längst abgewickelt. Wäre es eine Rettung der Kirche, wenn man sie unter Denkmalschutz stellen würde? Selbst dann bliebe die Frage, wo die Gläubigen, sprich die künftigen Besucher, angesichts der hohen Austrittszahlen herkommen sollen.
Die andere Unterrather-Kirche am Diezelweg würde, weil unverkäuflich, sicherlich abgerissen. Auch hier würde der Verkauf des Grundstückes viel Geld einbringen. Die Investoren, davon kann man ausgehen, stehen schon in den Startlöchern.
Bleibt von der Trias noch der Kostenfaktor. Ein besonders hoher wird gerne übersehen. Das sind die Pfarrerinnen und Pfarrer. In Zeiten der sprudelnden Kirchensteuereinnahmen gab es über deren Eingruppierung keinen Streit. Ihre monatlichen Einkünfte orientieren sich am Level Rat/Oberrat. Das wurde der Kirche nicht von fremder Hand auf’s Auge gedrückt, sondern es war ihre eigene Entscheidung. Nur wird sich das nicht ad calendas graecas durchhalten lassen. Je früher die Kirche über die Bezahlstruktur ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachdenkt, umso besser.
Heizungskosten für Kirchengebäude sind ein relativ neues Thema. Am Tag meiner Taufe im Februar 1941 herrschten in der Kirche von Rädigke eisige Temperatuen. Etwa 10 Jahre später legte meine Mutter Ziegelsteine in den Ofen. In Papier eingewickelt gaben sie ihre Wärme in der kalten Kirche ab. Mein Vater im Talar auf der Kanzel hatte die Chance nicht.
Nun möchte ich anno domini 2026 damit nicht sagen, stellt euch nicht so an ihr Weicheier. Doch wie warm sollte es denn in der Kirche sein. Egal auf welche Temperaturen man sich in einer Gemeinde einigt: Es könnte ungemütlich werden.