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1.12.18 Hinweistafel

Beim letzten Besuch in Niemegk Ende Oktober 2018 sahen wir vor der St. Johanniskirche eine Hinweistafel mit Informationen über das Gotteshaus. So, wie man sie vor Denkmälern und historischen Monumenten findet. Der Betrachter beginnt gerne zu lesen. Nach einer geschichtlichen Skizze wird er recht ausführlich über den Denkmalsplatz und dessen Historie informiert. Die Kirche selbst findet er verschlossen. Ein Hinweis auf mögliche Öffnungszeiten findet er nicht. Am unteren Ende der Hinweistafel befinden sich Telefonnummern, an die man sich wenden könnte.
Der halbwegs kundige Leser fragt sich zunächst, wer die Informationen aufbereitet hat. Vielleicht die Stadtverwaltung? Dann würde das Urteil milder ausfallen; einen Begriff wie „kleiner Altar“ z.B. würde der Besucher nachsichtig-lächelnd übergehen. Doch warum spricht die Kommune dann nur von „einem Steinmetz“ und unterschlägt den Namen Erich Kahl? Immerhin ein Mann, der sich handwerkliche und künstlerische Meriten um Stadt und Kirche in schwierigen Zeiten erworben hat. Sein Bild findet man auf diesen Seiten. Sein Nachfahre lebt und arbeitet noch heute in Niemegk.

Wir meinen: Der Hinweis auf Erich Kahl wäre eine Zierde anstelle eines der üblich-nichtssagenden Niemegker Straßennamen. In dem Zusammenhang sei noch angemerkt, dass sich auch kein Hinweis auf den oder die künstlerischen Schöpfer des sog. „kleinen Altars“ und des Taufsteins – die Hinweistafel schreibt kenntnisfrei und unbedarft von einem “Taufbecken” – findet. Wir empfinden das nicht nur als ärgerlich sondern in seiner Geschichtsvergessenheit als nahezu skandalös.
Wäre allerdings die Evangelische Kirchengemeinde für die Hinweistafel verantwortlich, würde das Urteil harscher ausfallen. Der hilflos-blamable Begriff „kleiner Altar“ stiftet lediglich Verwirrung. Gemeint sein kann nur das steinerne Lesepult, das der Besucher dieser Seiten in mehreren Aufnahmen betrachten kann. Vorne sieht man einen Adler, das Symbol des Evangelisten Johannes; der ist einer der beiden Namensgeber der Kirche. Auf der Rückseite wird des im Kriege gefallenen Pfarrers Ernst Hansen gedacht. Seine Ehefrau Edeltraud unterrichtete immerhin noch viele Jahre an der Niemegker Robert-Koch-Schule. Ältere Niemegker mögen sich daran erinnern, dass noch in den Fünfzigern des vorigen Jahrhunderts im Gottesdienst zwei Lesungen üblich waren: Das Evangelium vom Alter und am Lesepult ein Abschnitt aus den neutestamentlichen Briefen.
Die Informationen über das sog. Kriegerdenkmal sind – freundlich formuliert – bestenfalls oberflächlich und unvollständig. Das Denkmal für die Gefallenen des Krieges 1870/71 wird gar nicht erwähnt. Immerhin befindet es sich in der Kirche und kann dort in Augenschein genommen werden. Genau wie auf diesen Seiten. Dabei wird dem einen oder anderen von den Niemegkern der Name v. Oppen noch etwas sagen.
Nichtssagend dagegen ist der Hinweis, dass der militaristische Schmuck über den Denkmälern der Gefallenen des 1. Weltkrieges verscharrt wurde. Wesentlicher ist, dass nicht die Reste, sondern beide Denkmalsblöcke sich im rechten Kircheneingang befinden. Ob man in Niemegk der Gefallenen des „Großen Krieges“, wie man in Frankreich den 1. Weltkrieg nennt, z.B. am Volkstrauertag gedacht hat? Immerhin steht heute über ihren Namen „unseren gefallenen Brüdern“. Nur eine Redensart oder bleibende Verpflichtung?
Die Hinweistafel informiert korrekt, dass an die Gefallenen im Umkreis des 2. Weltkrieges im linken Seiteneingang erinnert wird. Unterschlagen dagegen wird, dass die Steintafeln dafür auch noch aus dem roten Sandstein des alten Kriegerdenkmals gewonnen wurden. Die Kundigen wissen, dass ein solches Verfahren alles andere als eine Petitesse ist.
Wenig stolz scheinen beide, Kommune wie Kirche lt. der Hinweistafel auf die bedeutenden künstlerischen Werke von Gerhard Olbrich zu sein. Wir bedauern das lebhaft. Aber eine solche Besucherinformation ist andererseits nicht für die Ewigkeit geschaffen.
Unsere Empfehlung: Schleunigst verschwinden lassen und zügig neu gestalten.