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22.12.23 Krolzig´s Krippe

Das ist die älteste Aufnahme der Krolzig`schen Weihnachtskrippe. Aufgenommen im Pfarrhaus zu Rädigke. Lange vor meiner Geburt und Taufe 1941.
Neben der Krippe die lesende Anneliese. Unter dem Baum mit brennenden Kerzen und Lametta die bei Lukas 2 aufgeschlagene Bibel. Dabei blieb es in den kommenden Jahrzehnten sowohl in Niemegk als auch in Belzig.

Auch den Weltkrieg überlebten die Krippenfiguren. Nur ein Hirt büßte sein Gesicht ein; eine Maus hatte es angeknabbert.
Die Aufnahme stammt aus der Belziger Zeit der Eltern. Also den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts. Alle Figuren von Ochs und Esel, links die Hirten und rechts die drei Könige, von denen der schwarze, der Mohr, kniet. Im Zentrum Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe. Sie tragen einen Heiligenschein aus Draht. Im Laufe der Jahre setzte er Rost an und glänzte nicht; Edelstahl gab es noch nicht.
Zwei Figuren knien. Links, der Hirt mit leeren Händen und rechts der schwarze König mit seinem reichen Geschenk. “O beugt wie die Hirten anbetend die Knie” heißt es in dem alten Kinderlied. Der Mensch ist am größten, wenn er kniet, sagte Papst Johannes XXIII.
Eine baugleiche Krippe stand Jahrzehnte später in der Wohnung meiner ersten Pfarrstelle in Düsseldorf-Unterrath. Eine Geschenk meiner Mutter. Davon existieren Fotos.
All die Jahre machte ich mir keine Gedanken, woher sie die Krippen bezog. Ich nahm lange an, sie würde ein einschlägiges Geschäft kennen. Das glaube ich inzwischen nicht mehr. Ich vermute, daß sie die Krippen anfertigen ließ. In allen Häusern ihrer Kinder sollten nach ihrer Überzeugung baugleiche Krippen stehen. Schöner läßt sich die Kontinuität von Weihnachten als die Geschichte der Familie von Bethlehem, den Hirten auf dem Feld und dem Kind in der Krippe zwischen Ochs und Esel nicht herstellen.
In der Heiligen Nacht 2023 habe ich im Strümper Haus die Krippe aufgebaut. Es ist die gleiche, wie auf dem Bild aus Rädigke mit Anneliese zu sehen. Auch die Figuren sind dieselben. Nur der Ochse fehlt. Den schwarzen Mohren-König mit Krone und Geschenk-Kiste habe ich auch aufgestellt. Was bestimmt das Stirnrunzeln der Anti-Rassisten hervorrufen wird.
Die Krippe ist eines der letzten und kostbarsten Geschenke meiner Mutter. Bis zum Geburtstag meines Vaters am 15. Januar wird sie stehen bleiben.

Das Schnitz-Werk stammt aus dem Hause meines Großvaters Gustav Krolzig. Ein starkes Indiz für zentrale Bedeutung der Weihnachtsbotschaft für unsere Familie. Es hing in den Arbeitszimmern meines Vaters sowohl in Niemegk als auch in Belzig. Jetzt befindet es sich links von meinem Schreibtisch – fotographiert von Enkel Clemens am 27.12.2023
© Martin Krolzig