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15.12.25 Grüner Tee
Damals trank ich noch Alkohol, aß unbekümmert tierisches Fett und fuhr auf den Düsseldorfer Karlsplatz, um Brot zu kaufen. Geduldig standen die Leute vor den Bäckerläden Schlange. Und ich mittendrin. Weizenmehl? Zucker? Alles kein Thema.
Da las ich von einem Medizin-Professor. Er saß auf einem Lehrstuhl für Kardiologie. Seinen Namen habe ich vergessen. Woran ich mich aber erinnre: Ihm ging es mies. Er litt selbst an Herzproblemen und wusste sich keinen Rat mehr. Aber seine Studenten hatten einen: “Herr Professor, Sie müssen grünen Tee trinken”. Das muss damals der neueste Hype gewesen sein. Möglicherweise war es auch die schiere Not, jedenfalls folgte er dem Rat der jungen Leute und trank von Stund an grünen Tee. Kannenweise. Vielleicht, weil er sich an die Maxime erinnerte “Klotzen, nicht kleckern” oder ihm die alte Bauernweisheit “Viel hilft viel” nicht aus dem Kopf ging – egal, nach einiger Zeit ging es ihm deutlich besser.
Die Geschichte überzeugte mich. Bis dato trank ich Schwarztee. Den bezog ich päckchenweise über die Potsdamer Teekampagne. Da die auch grünen Darjeeling anboten, stellte ich jetzt um. Einmal im Jahr nach der Ernte ein Paket mit vier großen Tüten grünem Darjeeling. Das reicht erfahrungsgemäß für 12 Monate.
Seit ein paar Jahren muss man niemand mehr für grünen Tee missionieren. Alle Daten sprechen für ihn.
Inzwischen habe ich auch meine Ernährung Stück für Stück umgestellt. Nur noch Roggen-Vollkornbrot, ohne irgendwelchen Brotaufstrich. Auch keine Butter mehr. Nach 14 Tagen hatte ich mich daran gewöhnt und vermisse nichts. Ich trinke auch keinen Kaffee mehr. Das Coffein im grünen Tee reicht mir völlig. Jetzt bin ich dabei, meinen Salzkonsum zu reduzieren, denn meine Nierenwerte bewegen sich im oberen Bereich. Doch als Asket fühle ich mich keineswegs. Wenn nur der blöde Rücken und die nachlassenden Kräfte nicht wären…
© Martin Krolzig