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15.3.25 Pollenmafia
Bevor Sie sich und mich fragen, ob Pollenmafia nicht etwas zu dick aufgetragen sei, zunächst die Fakten. Alle Honig-Anbieter filtern ihren Honig. Die kleinen, zu denen ich mich zähle, genau wie die großen, die ihr Produkt über Discounter vermarkten. Wachsstückchen wie Überbleibsel von Bienenflügeln und – beinen mag schließlich niemand, wenn er sich sein Honigbrötchen schmiert.
Der Normalimker läßt beim Schleudern den Honig durch ein, zwei Siebe laufen. In denen bleiben die meisten Fremdkörper hängen. Die großen Player, also die, die mit Honig tonnenweise per LKW handeln, nutzen andere Möglichkeiten. Sie pressen ihr Produkt unter hohem Druck durch feine Siebe. Filtrieren nennt man das technische Verfahren, um den Unterschied zum Filtern zu markieren. Deren Akteure lamentieren von Horrorgemälden, wenn man Kritik an ihren Praktiken übt. Andererseits verbreiten sie predigtartig deren Vorteile. Verschweigen allerdings, daß die staatliche Honigverordnung vorschreibt, daß es nicht erlaubt ist, dem Honig etwas zu entziehen noch hinzuzusetzen. Eigentlich dürften sie ihr Produkt gar nicht mehr Honig nennen.
Sachverständige sprechen inzwischen von Ultrafiltration. Bei der werden Membranen mit extrem kleinen Poren verwendet. Selbst winzigste Partikel werden dabei entfernt. Das bringt weitere Vorteile aus Sicht der Filtrations-Propagandisten. Er sei länger haltbar, wirke frischer, führe zu einem klareren und gleichmäßigerem Aussehen und bewirke, daß der Honig langsamer kristallisiere. Alles zur Freude des Discounters wie seiner praxisorientierten Kunden. Da sollte es doch wirklich nichts zu meckern geben. Nur, daß man geflissentlich unterschlägt, daß filtrierter Honig auf dem Etikett gekennzeichnet werden muß. Auch die Lebensmittelkontrolle scheint alle Augen zuzudrücken
Filtrierter und ungefilterter Honig unterscheiden sich auch hinsichtlich ihres Nährstoffgehalts. Filtrierter Honig hat im Vergleich zu ungefiltertem Honig einen geringeren Nährwert. Dies liegt daran, dass auch einige der im Honig enthaltenen nützlichen Verbindungen entfernt werden. Darunter Propolis und die verdauungsfördernden Enzyme. Genau wie der Pollen mit seiner segensreichen Wirkung für Allergiker. Otto-Normalverbraucher, der nur seinen Tee süßen möchte, mag das nicht weiter interessieren.
Doch alle anderen sollten wissen, was die Entfernung von Blütenpollen bewirkt. Ohne den läßt sich nämlich nicht mehr nachweisen, woher der Honig stammt. Bei meinem kann man durch eine einfache Analyse feststellen, ob er aus Meerbusch/Krefeld/Düsseldorf oder – sagen wir – Münster stammt. Kartierung nennt man das Verfahren.
Die Pollenmafia – und von der muß jetzt geredet werden – macht es wie jeder Kriminelle. Bevor der sein Ding dreht, zieht er sich Handschuhe an. Nur bemitleidenswerte Anfänger hinterlassen zur Freude der Polizei ihre Fingerabdrücke. Ohne Pollen läßt sich nicht mehr nachweisen, ob der Honig womöglich aus China stammt, einem Land, das wiederholt wegen seiner Panschereien auffiel. China mag der größte Sünder sein, doch manch anderer segelt unerkannt in seinem Windschatten und schummelt seine klebrige Masse unter die Produkte seriöser Anbieter.
Es wird Zeit, die kriminelle Pollenmafia endlich dahin zu bringen, wo sie hingehört: An den Pranger.
© Martin Krolzig