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2.12.23 Popa-Party

Hier das Original-Foto im Format 6 × 9. So hat es mein Vater fotographiert und von mir eingescannt. Andere Möglichkeiten besaß er nicht. Darunter der Profi-Scan von Freund Thomas Gerlach (digitalstudioundso Düsseldorf). In absehbarer Zeit wird es als Leuchtbild 60 cm breit hier im Engangsbereich hängen.

Ein Foto von einer Gartenparty der Großeltern mütterlicherseits in Rädigke Zusammen mit der herausgeputzten Dorfjugend, mit meiner Schwester und mir. Hinten in der Mitte der Kopf meiner Mutter. Mit Mittelscheitel links hinten meine Großmutter Ottilie Trüstedt, geb. Liers.
Mit weißem Vollbart Popa, d. h. Dr. jur. Felix Trüstedt. Der treuhänderische Verwaltung widmete er sich besonders. Als Student gehörte der harte Bursche zu einer schlagenden Verbindung. Mehrere „Schmisse“ im Gesicht zeugten davon. Jetzt verdeckt sie sein Vollbart.

Neun Jahre blieben die beiden verlobt, weil ihnen die wirtschaftliche Basis für eine Ehe fehlte. Im 1. Weltkrieg musste sein Jahrgang zum Militär sein.

Im Zweiten Weltkrieg fiel einer ihrer Söhne vor Leningrad. Der andere überlebte, verließ aber seine Familie bald nach 1945. Man hörte nie mehr etwas von ihm.

Tante Ilse, seine Ehefrau schlug sich mit ihren Kindern als Offsetdruckerin erfolgreich durch. Mich beschenkte sie mit Briefpapier. In meinem Posiealbum schrieb sie mein Abendgebet: „Gott, lass uns dein Heil schauen…“ von Matthias Claudius. So ist sie in meinem Herzen fest verankert.

Die Großeltern bewohnten in Rädigke ein kleines Häuschen, daneben noch eine leerste Scheune plus Ställen. Es lag in der am Ortsausgang in der Kehre Richtung Raben. Fließend Wasser gab es nicht, nur eine Pumpe, die der Junge gerne bediente, wenn er die beiden besuchte.

Vorher lebten die beiden in Berlin. Als die Bombardierungen gegen Ende des 2. Weltkrieges immer bedrohlicher wurden, sorgten die Eltern für ihren Umzug auf den weniger gefährdeten Fläming.

Nach Kriegsende erkrankte Popa. Ein Bild in der Erinnerung des Jungen lässt vermuten, dass es sich um die Protastaerkrankung handelte. Dann starb er.

Nach seinem Tod zog die Großmutter zu ihrer Tochter Hilde Straßburger nach Hannover. Nach ihrem Tode kam sie zurück auf den Flämig. Auf dem Niemegker Friedhof wurde sie beerdigt.

Seit Jahrzehnten ist ihr Häuschen in der Kehre Richtung Raben verschwunden. Doch die Erinnerung ist geblieben. Die Erinnerung von der Heinrich v. Kleist sagte, sie sei das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

Im November 2023 fand ich in einem Antiquariat einen Stich von Burg Rabenstein. Weil auch Raben selbst in dieser Geschichte erwähnt wird und er so romantisch wirkt, soll er den Schlusspunkt bilden.

© Martin Krolzig