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5.9.23 Haltungsfragen

Als treuer Aldi Kunde weiß ich, dass sich der Diskounter für die Verbesserung der Schweinehaltung einsetzt. Die Bilder über die miesen Lebensbedingungen der Tiere konnte und wollte man nicht länger ignorieren. Inzwischen propagiert der gesamte Handel die Haltungsformen 1-4. An unterschiedlichen Labels in verschiedenen Farben soll er sich orientieren. Der Kunde soll wissen, was er kauft. So die Idee dahinter.
Doch man sollte sich keine Illusionen machen: An der Massentierhaltung ändert sich nichts. Die bleibt. Auch die Fütterung der Tiere in jeder der 4 Haltungsformen verbirgt sich hinter einer Nebelwand. Man schaue sich nur einmal an, was unter dem Label Bio in Hühnerhaltung und -fütterung möglihch ist. Auch was Schweine in ihren Trog bekommen. Artgerecht ist die flüssige Pampe jedenfalls nicht.
Bischof Dr. Otto Dibelius formulierte einmal in Abwandlung einer Bitte aus dem Gebet Jesu: Unsere täglich Illusion gib uns heute. Zu denen gehört auch, dass sich durch die 4 Haltungsformen irgendetwas für die Tiere ändert. Allerhöchstens marginal.
Auf den Punkt gebracht: Es gibt nur zwei Haltungsformen. Die konventionelle, die auf Massenproduktion von Fleisch & tierischen Produkten setzt und das möglichst billig. Oder die artgerechte Haltung von Zwei und Vierbeinern.
Könnte da die frühe DDR als Vorbild dienen? Sie stand vor ungleich schwierigeren Problemen als wir satten Bundesbürger heute. Damals wußte noch jeder, vor einem leeren Teller zu sitzen. Zur Erinnerung: Gehungert wurde in Deutschland nicht im sondern erst nach Kriegsende1945. Die Herausforderung: Einheimische wie Flüchtlinge mußten von einer in Teilen daniederliegenden Landwirtschaft ernährt werden.
Auf dem Niemegker Pfarrhof gab es zwei Schweineställe. In die fiel kaum Tageslicht. Wenigstens wurden sie artgerecht gefüttert. Vor allem mit Kartoffeln. Gemästet wurde mit Roggenschrot. Soja oder vergleichbare Kraftspender kannte man nicht einmal dem Begriff nach. Unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten interessierte kaum jemand.
Das sollte sind bald ändern. Sie sehen hier Mutti vor einer Schweinehütte auf dem Pfarrgrundstück. Die wurde nach allen Regeln des DDR-Marketings beworben. Erinnere ich mich richtig, galt auch hier die Sowjetunion als Vorbild. Eine solche Hütte bestand aus einzelnen Holzsegmenten, die sich massenweise wie einfach herstellen und schnell aufstellen ließen. Man konnte die Module einzeln kaufen und transportieren.
Das Konzept muß die Mutter überzeugt haben. Wir alle machten eine ganz neue Schweineerfahrung. Es sind höchst saubere Tiere. Schweine sind die Menschen, die die Tiere zu einer dreckigen Haltung zwingen. Kein Tier kotet in der Schweinehütte; das Stroh, auf dem Tiere liegen bleibt absolut sauber. Ihren Mist hinterlassen die Schweine draußen,
Es dient der Gesundheit von Tier und Mensch, wenn wir den Focus ändern. Weg von den Haltungsformen für Tiere sondern auf die Haltung von uns Menschen gegenüber unseren tierischen Fleisch- und Eierlieferanten achten.
Tiere sind uns anvertraut. Das schlägt sich in der Maxime nieder, die mir von Kindesbeinen an vertraut und mein Handeln bis heute bestimmt: Erst kommt das Tier, dann der Mensch.
Wenn Marktführer Aldi die Wende in er Tierhaltung hereifühen möchte, müßte der Lebensmittelriese promoten: Leute eßt generell weniger Fleisch. Dann geht es Tier und Mensch besser. Doch das ist wohl von einem Diskounter zu viel verlangt.

Oben die Mutter mit Schwein vor der Hütte, unten mit Holz vor der Hütte
© Martin Krolzig