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25.10.23 Bismillah

Eine Geschichte für den Ethik-Unterricht von Sabine Okruch

Früher arbeitete ich als Gefängnispfarrer in Duisburg. Jeder Gefangene konnte mich sprechen. Er mußte nur seine Zellenkarte in meinen Briefkasten werfen. Dann ging ich zu ihm. Einen Schlüssel zu den Zellen trug ich bei mir.

Am Sonntag konnten alle Gefangene in den Gottesdienst gehen. Da kamen viele. Schon, weil sie so mal wieder ihre Zellen verlassen konnten. Während ich am Altar stand beobachteten Beamte von der Seite, was hier passiert.

Bald bemerkte ich, dass auch Ausländer den Gottesdienst besuchten. DarunterTürken und Angehörige anderer muslimischer Nationen. Wie immer begann ich: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Was sich wohl die Ausländer dabei dachten, fragte ich mich eines Tages.

Da erinnerte ich mich an frühere Reisen mit Autostop in die Türkei. Einmal hatten mich arme Türken am Strand des Marmara-Meeres zum Abendessen eingeladen. Verständigen konnte für uns nur mit Händen und Füßen. Ich wollte schon das erse Stück Fladenbrot in den Mund stecken. Da stoppten sie mich und gaben mir zu verstehen, sie würden vor dem Essen immer beten und sagen: Bismillah (zu deutsch: Im Namen Allahs). Das gefiel mir. Später lernte ich, dass ein frommer Moslem vor allem, was er tut, Bismillah sagt. Genau heißt es Bismillahirrahmanirrahim. Das ist Arabisch und bedeutet Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen.

Eines Tages sagte ich mir: Das ist ja genau dasselbe, als wenn du sagst: Im Namen, Gottes des Vaters…

Von da an begann ich jeden Gottesdienst feierlich zuerst auf Arabisch mit Bismillahirachmanirachim, gleich danach Im Namen, Gottes des Vaters…

In einer vergleichbaren Situation würde ich es heute genauso wieder machen.

Martin Krolzig
Militär- und Landespolizeipfarrer a.D.
Rottfeldstr. 11
D-40670 Meerbusch
Tel. 02159 8350
E-Mail: Krolzig@berufsethik.de