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13.4.24 Samstagbad

Wolf Biermanns Ballade vom Samstag-Bad kenne ich seit eh und je. Doch an die Einzelheiten der Geschichte erinnere ich mich nur umrisshaft. Den Refrain allerdings vermag ich bis heute zu singen: „Jeden Samstag geht der nette, fette Vater/Einen Eimer Kohlen holen/Aus dem Keller für das Bad/Dass er sau –/Dass er sau –/Dass er saub’re Kinder hat.“ Doch am schönsten klingt’s, wenn man den Barden selbst hört.

Nicht, dass mein Vater die Kohlen für das Badefest holen musste. Das blieb meistens an Mutti hängen. Doch genauso wie es Biermann besang, lief unser familiäres Badefest ab. Erst stieg ich in die Badewanne, dann Anneliese – wenn sie denn zu Hause war. Am Schluss die Eltern nacheinander. Doch allen verging der Spaß. Wenn sie an den nächsten Tag dachten.

Da musste das Wasser einmerweise aus der 1. Etage heruntergeschleppt werden. Auch daran beteiligte sich der Vater nicht. Das erwartete auch niemand von ihm. Seine Aufgaben sah er woanders. Das akzeptierten alle.

Doch warum nicht einfach den Stöpsel ziehen, die Badebrühe ablaufen lassen und auch noch in Kauf nehmen, dass das Wasser im Eimer überschwappte?

Gegenüber dem Foto aus dem Jahre 2022 hat sich kaum etwas gegenüber der Zeit verändert, als der Junge noch im Pfarrhaus lebte. Den Durchgang zum Garten gab es auch damals schon. Gleich links befand sich die Jauchegrube. Kaum zu glauben, dass die heute noch existiert. Damals verhinderten dicke Bretter, dass jemand hereinfiel. Schon wegen der Gase könnte das lebensgefährlich sein. Schauergeschichten von tödlichen Unfällen machten die Runde.

Als Teil des Schuppens befand sich oberhalb der Jauchgrube ein Plumsklo. Ein Sitz aus Holz mit einem Loch, auf das man sich zum Geschäft setzt. Daneben lag das Klopapier, zurechtgeschnitten aus alten Zeitungen. Alles fiel direkt in die Jauchegrube. Was man deutlich hörte.

Heißt es heute, der Komposthaufen sei das Gold des Gärtners, so galt das damals für den Inhalt der Jauchegrube. Sie sammelte den einzigen Dünger, der Mutti für den großen Garten zur Verfügung stand. Der Mist von den paar Tieren fiel nicht ins Gewicht. Oder: Um im Bilde zu bleiben, machte der Kohl nicht fett.

Der Dünger wirkte nur, wenn er konzentriert zur Verfügung stand. Daran hielten sich notgedrungen alle und schleppten das Badewasser nach unten.

Geleert wurde die Grube im Frühjahr. Dafür gab es den Jaucheschöpfer. Dessen Inhalt wurde in Eimer geschüttet, um dann im Garten verteilt zu werden.

Jahrzehnte später lernte ich im Rheinland die passende Botschaft durch Nachbar H. G. kennen. Der pflegte immer zu sagen: Wo kein Mistus, da kein Christus.

© Martin Krolzig