Blog
3.3.21 Siegeskarte

Sie sehen hier die zentrale Botschaft der Niemegker St. Johanniskirche im Fläming. Man kann sich an ihr wie an einem Geländer festhalten. In guten wie in schlechten Zeiten.
Das Foto befindet sich auf der Vorderseite einer Klappkarte im Format DIN A 5. Ich schicke jedem Niemegker gerne zwei Exemplare, wenn er/sie mir eine Mail übermittelt. Dazu auch noch den Nachdruck eines Sonderdruckes aus der Festschrift zum 800jähringen Stadtjubiläums mit der Geschichte von St. Johannis aus dem Jahre 1954.
In dem Jahr hing das Triumphkreuz bereits. Etwa um die gleiche Zeit wurde darüber der Spruch aus dem 1. Jonannisbrief gemalt. Die Kirche war in einem Kraftakt der Gemeinde nach den letzten Kämpfen um Berlin vom Frühjahr 1945 gerade wieder benutzbar geworden. Ja, durchaus schöner und gottgefälliger als vor dem Weltkrieg.
Als Krönung über allem das Triumphkreuz mit der Siegesbotschaft. Die ist genauso unübersehbar wie eindeutig. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Verkündet wird der Triumph des ans Kreuz genagelten, gefolterten und getöteten Jesus Christus. Wer ihm auf seiner Lebens-Map nachfolgt befindet sich auf der Siegesstraße. Das heißt glauben.

Das ist das erste mir bekannte Foto des Triumphkreuzes. Es erstrahlt gewissermaßen nackt in der Mitte der Kirche. An bunte Glasfenster wird damals bestimmt noch niemand gedacht haben. Aus Familienberichten weiß ich, dass die ganz normale Verglasung der hohen Fenster allein einen Kraftakt bedeutete.
Nach 1945 lag alles in Scherben, auch im übertragenen Sinne. Zusammenkehren und wegwerfen war keine Option, höchstens für Zaghafte und Dumme. Aus den Scherben ließ sich mit Kunst und Können Passendes zusammenschneiden. Die vollständige Verglasung der Fenster macht den Erfolg dieser Strategie sichtbar.
Es steckt tief in mir und wohl der ganzen Nachkriegsgeneration: Nur nichts wegwerfen, es könnte ja noch gebraucht werden. So wurden u.a. Nägel herausgezogen und gerade geklopft.

Die Seite 4 der Klappkarte hält fest, wer das Triumphkreuz entworfen und wer ist ausgeführt hat (die Seite 3 der Karte ist freigehalten). Das Blatt entstammt dem »Goldenen Buch der St. Johanniskirche«; das bemerkenswertes Dokument kann hoffentlich auch bald ediert werden. Darin wird für alle Zeiten festgehalten, wer etwas zum Neuaufbau des Gotteshauses beigetragen hat.
Den Namen von Winfried Wendland (wahrscheinlich ohne “t” falsch geschrieben) aus Potsdam werden Sie auf verschiedenen Seiten dieser Webseite finden. Man könnte ihn als Hauptgestalter der Kirchenerneuerung nach den Zerstörungen des Krieges bezeichnen. Die Tischlerei Schröder existiert noch am gleichen Ort. Für mich ein weiteres schönes Beispiel für die Niemegker Handwerkskunst.

Dieses und das folgende Foto stammen aus dem Jahre 2015 und sind nicht Teil der vorgestellten Klappkarte. Pfarrer Geißler berichtete, dass er die Konfirmanden schon mal raten ließ, was da wohl geschrieben steht. Das, so dachte ich, sollte nicht das letzte Wort in der Geschichte behalten.

Malermeister Thiele und seine Mitarbeiter sind dabei, den alten Spruch zu erneuern. Dafür mußte nicht nur ein Gerüst installiert sondern auch für jeden Buchstaben des Schriftzuges eine Schablone geschaffen werden. Wieder ein schönes Beispiel für Niemegker Handwerkskunst; und, wie ich anfügen möchte, zur Liebe für “ihre” Kirche.