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22.4.26 Humuserde

Wenn Sie jetzt staunen wissen Sie, daß Sie auf gutem Wege sind. Schon Aristoteles (geb. 384 v. Chr.) sah im Staunen den Beginn der ganzen Philosophiererei. Und Goethe meinte, dass Höchste, wozu der Mensch überhaupt gelangen kann, sei Erstaunen.

Dass Humus – unserThema – mit Humilitas zusammenhängt, spürt auch, wer Latein nicht beherrscht. In der Regel wird Humilitas mit Demut übersetzt. Wobei Humilitas eher die Niedrigkeit betont. So heißt es im Magnifikat, dem berühmten Marienlied aus dem Lukasevangelium: Quia respexit humilitatem ancillae suae: “Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen”. Johann Sebastian Bach komponierte das Magnificat in der lateinischen Text-Fassung. Ein gewaltiges Werk. Im Netz finden sich eine Reihe gelungener Aufnahmen.

Der Zusammenhang zwischen humilitas und humus ist allein schon sprachlich faszinierend. Das erklärt auch, warum Demut im Lateinischen etwas sehr Bodenständiges ist. Wer demütig ist, bleibt auf dem Teppich und gerät nicht in Gefahr abzuheben. Praktizierte Humilitas ist die Haltung von Menschen, die wissen, dass sie aus Humus/Erde geschaffen und wieder dazu werden.

Wer wie ich biologischen Gartenbau ohne mineralischen Dünger betreibt, weil er gesundes Gemüse ernten möchte, ist auf Humus angewiesen. Den produziert man am besten selbst in einem Komposthaufen. In der Fläche bewirkt Mulchen das gleiche. Kompost gilt als das Gold des Gärtners. Er ist ein wertvoller Dünger, der aus organischen Abfällen wie Laub, Rasenschnitt und Gemüseabfällen entsteht. Er verbessert den Boden, macht ihn lockerer und sorgt so für eine bessere Wasser- und Nährstoffaufnahme für die Pflanzen.

Zum biologischen Düngemodell gehören neben Kompost auch Stall- am besten Pferdemist. Dann Guano aus Südamerika. Der gilt als wichtiger Phoshorlieferant. Weiter Hornspäne von Schlachtvieh mit einem einem Stickstoffgehalt von mehr als zehn Prozent. Auch vielseitig verwendbare Pflanzenjauche, vom Gärtner selbst hergestellt, aus Brennnesseln, Ackerschachtelhalm, Beinwell oder Knoblauch sind Teil vom biologischen Düngemix.

Doch wer etwas über das gestörte Verhältnis seiner Zeitgonessen zur Erde erfahren möchte, sollte eine Beerdigung besuchen. Von einem Bagger ausgehoben, liegt sie auf einem großen Haufen. Sorgsam abgedeckt mit einer grünen Kunststoff-Matte. Nur ein klltzekleines Häufchen liegt noch da zum Gebrauch der verschiedenen Kleriker bzw. Redner. Damit sich niemand bei dem möglichen Drei-Händen-Erdwurf die Finger schmutzig machen muß, steckt oben drin noch ein Kindersschippchen. So ist man auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Der Sarg selbst liegt nicht in der Tiefe der Grube, sondern wurde durch eine Mechanismus nach oben gehievt. Da kann auch nichts mehr poltern, wenn Erde hinabgeworfen wird. So, wie es Beerdigungsbesucher noch vor wenigen Jahrzehnten als normal erlebten. Heute muß auch niemand mehr in eine Grube schauen und so daran erinnert werden, was das Ziel eines irdischen Lebens sein wird.