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10.3.26 Psalmeins

Der Auftakt zu dem ganzen Psalmen-Buch ist kein Gebet, sondern ein Weisheitspsalm. Zu der Weisheitsliteratur im Alten Testament gehört etwa das Buch Hiob. Unser Text setzt den Ton: Der ganze Psalter ist nicht nur eine Gebetssammlung, sondern auch eine Glaubens-Unterweisung für nachfolgende Generationen.

Der Psalm entstand vermutlich in der nachexilischen Zeit, also um das 6. Jahrhundert v. Chr. Er zeigt exemplarisch, wie das Leben eines gerechten und eines gottlosen Menschen verläuft. Wahres Glück erfahre der Mensch nur in der Verbindung mit Gott. Die lateinische Fassung des Psalms beginnt mit beatus, auf gut deutsch “Der Glückliche”.

Im Neuen Testament, also ein paar Jahrhunderte später, steht jenes beatus an zentraler Stelle, beginnt doch die Berpredigt Jesu mit einem Paukenschlag: Einem achtfachen beatus. Martin Luther übersetzt es hier mit “Selig” und die Bibel überschreibt den ganzen Abschnitt mit “Die Seligpreisungen”.

Zurück zu unserem Psalm. Im ersten Vers tut sich eine Weichenstellung auf. Gott schützt den Weg der Gerechten, der Pfad der Gottlosen dagegen führt ins Nichts.

Zwei Zitate benutze ich gerne, weil sie für Klarheit sorgen. Das eine lautet “Jeder kann dümmer werden, er mag noch so dumm sein”. Dazu muß man nicht mehr viel sagen, außer den Autor Jean Paul (1763-185) zu nennen. Das andere ist der erste Vers von Psalm eins. Dazu dann doch noch einige erklärende Worte.

Das einleitende beatus in der lateischen Fassung des Alten Testanentes, der Vulgata, übersetzt Luther hier mit “Wohl dem” Also: “Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen”. Jetzt weiß mein Gegenüber zumindest wie ich ticke.

Das “Wohl dem” sagt andersherum, wie die anderen leben. Es beginnt mit der Gottlosigkeit. Da existiert der Mensch, als gäbe es keinen Gott. Den hat man schon lägst abgeschrieben. Wer als Gottloser durchs Leben geht, rückt sich selbst ins Zentrum. Er ist der Bestimmer. Er urteilt und legt fest, was gut oder schlecht, schön oder hässlich, was zu tun oder zu lassen ist.

Aus der Gottlosigkeit ergibt sich die Sünde, also eine erste Steigerung. Da fühlt sich der Mensch beschwingt und tut etwas. Nur eben das falsche. Zweifel kennt er nicht. “Positiv denken” lautet sein Motto. Er fühlt sich motiviert und meint, auf einem guten Weg zu sein. Zur Erinnerung: Sprachlich kommt Sünde von “absondern”, hat also von Hause aus mit Moral nichts zu tun.

Dann der Schluss- und Höhepunkt : “…und sitzt, da die Spötter sitzen”. Das zweimalige “sitzen” offenbart sein Lebensprinzip. Er ist der geborene Zuschauer. Die Dinge lässt er laufen und die Puppen tanzen. Nichts kann ihn aus seiner selbstgewählten Zuschauerrolle bringen. Er will unterhalten werden und seinen Spaß haben. Dann klopft er sich auf die Schenkel und prustet vor Lachen. Nichts ist ihm heilig. Lästern über alles und jeden kann er immer. Am liebsten setzt er noch einen drauf und wiederholt, da er zu keinem eigenen Gedanken fähig ist, “Spaß muß sein”. Und ja, er endet, wie man es von den letzten Stunden der Titanic berichtete, die mit Musik und Tanz unterging.

© Martin Krolzig