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13.4.26 Zum Mond

Die Artemis Mondmission ist beendet. Nie waren Menschen weiter in den Weltraum vorgedrungen als die drei Männer zusammen mit einer Frau. Den Mond umrundeten sie und konnten erstmalig dessen Rückseite sehen. Mich brachte das nicht aus dem Häuschen, ist mir doch seit Kindertagen das Lied “Der Mond ist aufgegangen” vertraut. Meine Mutter wählte aus ihm das Abendgebet für ihren kleinen Sohn aus. Dessen dritte Strophe lautet: “Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön”. Versehen mit dem Hinweis: “So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsere Augen sie nicht sehn”.

Der Text geht auf ein Gedicht von Matthias Claudius zurück. Das zählt zu den bekanntesten Werken der deutschen Literatur. In der Vertonung von Johann Abraham Peter Schulz wurde es als Lied bekannt ist. Erstmals wurde es im Musen-Almanach 1779 veröffentlicht. Als Vorlage diente das Gedicht von Paul Gerhardt “Nun ruhen alle Wälder” aus dem Jahre 1647.

Die literarischen Qualitäten des Abendlieds waren lange umstritten. Einige Analytiker lehnten es aufgrund seiner angeblichen Naivität und Einfältigkeit ab. Ernst Wiechert und andere dagegen lobten gerade seine schlichte, doch handwerklich außerordentlich gelungene Ausführung und betrachteten gerade die Einfachheit als das Stilmittel, mit dem sich das Lied bis in die Gegenwart durchsetzte. So wurde es auf Wunsch des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt beim Trauergottesdienst bei seiner Beerdigung am 23. November 2015 gesungen.

Die Artemis Mission verschlang mehr als eine Milliarde Dollar. Neue Erkenntnisse über den Mond brachte die Crew nicht mit. Auch die Beobachtungen des Sternenhimmels durch die vierköpfige Besatzung der Raumkapsel lieferte keine neuen Erkenntnisse über die Entstehung des Universums. Sicherlich, die Weltraum-Technikern konnten umfangreiche Daten für künftige Einsätze sammeln. Doch unter dem Strich konnte die informierte Öffentlichkeit nicht viel Neues über den Mond lernen.

Doch wie wird es weitergehen? Wer meint, man könne die nächsten Schritte in Ruhe angehen, sollte sich das besser abschminken. Ein Blick nach China legt das nahe. Man muss deshalb nicht gleich hysterisch reagieren und aus der Mottenkiste Kurt Georg Kiesingers Diktum aus dem vorigen Jahrhundert “Ich sage nur China, China, China” hervorkramen.

Im Reich der Mitte verfolgt man ein ehrgeiziges Mondprogramm. Bis 2030 sollen Astronauten auf dem Mond landen und dort eine dauerhafte Basis errichten. Mit einer Sonde gelang bereits den Konkurrenten der NASA eine Rückführung von Proben der erdabgewandten Seite des Mondes auf die Erde. Was nach meiner Überzeugung Erfolg von Artemis relativiert.

Doch auch die chinesischen Bäume werden nicht in den Himmel wachsen, wenn ich das einmal so ausdrücken darf. Nüchternheit bleibt das Gebot der Stunde.

© Martin Krolzig